Niemand erreicht seine Ziele allein

Alles, was wir erschaffen, mal mit Freud, mal mit Leid, entsteht in Beziehung.
Diese Erkenntnis dämmerte mir vor gefühlt -zig  Jahren in einer meiner Weiterbildungen.
Damals traf mich diese Erkenntnis aus heiterem Himmel, war ich doch bis dahin als Vertriebler auf einem echten Egotrip. Es war die Zeit der ego – ausgerichteten Heilslehrern, die einem versprachen, Alles selbst schaffen zu können, wenn man nur wolle. Mit der Betonung auf Alles.

Niemand erreicht sein Ziele allein.
Diese Erkenntnis hat mich und damit meine Arbeit grundlegend verändert in Richtung beziehungsorientierter Organisationsentwicklung. Die Beziehungen im Team – ob funktional oder nicht – sind für mich wie ein Betriebssystem. Mit Betonung auf System.

Was mich mehr und mehr fesselte war die Frage, was Beziehungen eigentlich ausmacht?
Und zwar ganz konkret und handfest? Was für ein Stoff ist das, der da verwoben wird?
Damit meine ich nicht die Eigenschaften einer Beziehung – die Farbe des Stoffs -, wie bspw. Hilfsbereitschaft oder Vertrauen.

Mich interessiert –  nach wie vor – das konkret Beobachtbare in der Beziehung – das im- Hier – und – Jetzt – Anfassbare, der Stoff selbst und seine fühlbare Struktur: das Zuhören und die Kommunikation und ihre sich häufig selbst stabilisierenden Muster. 

Dass es solche gibt und wie man sich diese vorstellen und danach beobachten kann, lernte ich auf meiner gut zehnjährigen Reise in die Tiefen der Transaktionsanalyse, die wesentlich mehr ist, als drei aufeinander stehende Kreise. Das Gesprochene und das Empfangene und die Reaktion darauf, im ewigen Kreislauf.

Dabei taucht ein Gedanke auf:
das Gesprochene ist für Außenstehende direkt objektiv beobachtbar – also wahrnehmbar – in Inhalt, Tonfall, Lautstärke und Gestik usw. Das vom Gegenüber Verstandene – dagegen nicht. Zumindest nicht direkt. Und jede(r) versteht in der Regel, dasjenige zuerst, was zum eigenen Weltbild passt.
Willkommen im Dschungel der Phantasien darüber, wie die Gesprächspartnerin dieses oder jenes wohl aufgefasst hat. Der Aufenthalt dort dauert so lange, bis sie es mitteilt. Wenn sie dies nicht tut, sollte ich danach fragen? 

Keine schlechte Idee, weil niemand seine Ziele allein erreicht. Auch sie nicht. Oder?

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